Ostern 2026 - Friede sei mit euch!

Ostern in Konkurrenz zur sich verbreitenden Kriegslogik

Osterkerze (c) Bild: Markus Weinländer - In: Pfarrbriefservice.de
Osterkerze
Datum:
Fr. 3. Apr. 2026
Von:
Wolfgang Mahn

Die Sorge um den Frieden rückt wohl nicht nur für mich in den Mittelpunkt der Osterbotschaft 2026. Der Zusammenhang zwischen den weltweiten Krisen und den zunehmenden Spaltungen in unserer Gesellschaft ist nicht zu übersehen. Der Weltfrieden und der soziale Frieden bei uns sind gleichermaßen gefährdet. Der Verlust eines bisher als sicher geglaubten Friedens verun-sichert viele stark und verdunkelt den Blick in die Zukunft. Die empfundene Dunkelheit schneidet so tief, weil sie um uns herum rasant an Realität gewinnt.

Die Feier der Osternacht kann und will diese Realität nicht ausblenden und beginnt deshalb auch in diesem Jahr im Dunkeln. Wenn wir uns rund um das Osterfeuer versammeln, dann sind wir von Kriegen und Krisen, von Gewalt und Unfrieden und einer zunehmenden Verunsicherung geprägt. Wie gut ist es daher, dass der Ruf "Lumen Christi – Licht Christi!" schon ‚zu Beginn beim Einzug in unsere Kirchen erklingen wird. In der derzeitigen Weltlage, die sich wie eine sich ausbreitende Nacht anfühlt, klingt dieser Ruf wie ein Protest. Und genau das muss er auch immer mehr werden. Der Ruf "Licht Christi" soll ja kein Hinweis auf ein romantisches Kerzenflackern sein. Er ist die Ansage, dass die Finsternis der Gewalt nicht das letzte Wort haben darf. Wenn wir in diesem Jahr die Osterkerze entzünden, tun wir das im bewussten Kontrast zu den negativen Schlagzeilen unserer Zeit. Wenn wir 2026 den Ruf "Licht Christi" hören und mit "Dank sei Gott" antworten, dann bekennen wir: "Wir geben nicht auf!" Wir lassen uns die Hoffnung auf Frieden nicht nehmen. Wir setzen dem Hass und der Gewalt etwas entgegen.

Unsere Entgegnung hat mit dem ersten Wort des Auferstandenen zu tun: "Friede sei mit euch!" (Joh 20,19). Dieser klassische und alt bekannte Ostergruß ist im Jahr 2026 mehr als eine Formel. Er will als Zusage und Auftrag zugleich verstanden werden. Es geht darum, sich der Spirale der Gewalt entgegen zu stellen und sie zu durchbrechen.

"Friede sei mit euch!" ist der österliche Einspruch Gottes gegen die zunehmende Ungerechtig-keit und Kriegslogik in der Welt von heute. In einer Zeit, in der die Welt nach Stabilität und Sicherheit sucht, hat Papst Leo XIV. bei seinem Amtsantritt vor einem Jahr den österlichen Frie-densgruß des Auferstandenen zu seinem Leitmotiv gemacht. Mich berührt es noch immer, dass sein erstes öffentlich gesprochenes Wort "Friede sei mit euch!" hieß. Immer wieder drängt er auf Waffenstillstand und auf echte Verhandlungen. Er spricht von einem "unbewaffneten und entwaffnenden Frieden". Das klingt in einer Welt der Aufrüstung fast naiv und ist dennoch der Kern der Osterbotschaft.

Die Osterbotschaft will gerade heute kraftvoll gelebt und verkündet werden. Die Osterkerze trägt die Zahl 2026 nicht nur als Datumsangabe, sondern um uns mit der Friedensbotschaft in unsere Zeit zu stellen.

 Wenn wir zu Beginn der Osternacht einander das Licht Christi weitergeben, dann sind wir eingeladen, miteinander als Christen andere Akzente in unserem Leben und Wirken zu setzen: Wir setzen auf Abrüstung in der Sprache und Versöhnung im Miteinander.

Ihnen, Ihren Familien und allen, die zu Ihnen gehören, ein gesegnetes und frohes Osterfest!

Propst Dr. Peter Blättler